Preisschilder für die digitale Zukunft

Onlinehändlern fallen Preisanpassungen äusserst leicht, da sie einfach nur die neuen Werte für die jeweiligen Produkte eintragen und bestätigen müssen. Digitale Preisschilder sollen nun dafür sorgen, dass der E-Commerce zumindest in diesem Bereich keinen Vorteil mehr gegenüber dem klassischen Händler hat.

Das Funktionsprinzip der digitalen Preisschilder (auch Electronic Shelf Label genannt) ist simpel: Displays mit stromsparender und lesefreundlicher E-Paper- Technologie blenden ein, wie viel der Kunde derzeit für das jeweilige Produkt zahlen muss. Die Werte lassen sich problemlos über angeschlossene Endgeräte via Funk ändern – theoretisch selbst während des laufenden Betriebs. Handelsunternehmen sollten allerdings aufpassen, was sie mit ihren neugewonnenen Möglichkeiten anfangen. So wird sich zwar kaum ein Kunde beschweren, wenn die mitgenommene Ware auf dem Weg zur Kasse billiger geworden ist – seine von dem neuen Rabatt noch nicht profitierenden Vorgänger dagegen möglicherweise schon. Und eine plötzliche Preiserhöhung wird erst recht niemand kommunizieren wollen. Media-Saturn, die in der Schweiz als vermutlich erste grosse Handelskette komplett auf digitale Preisschilder umstellt, schloss nicht umsonst bereits kategorisch aus, dass während der Öffnungszeiten der Filialen Angaben geändert würden. Dennoch wird es nun deutlich einfacher, Preise im Rahmen einer Best-Price-Garantie oder für verderbliche Waren am Rande des Mindesthaltbarkeitsdatums flexibel anzupassen.

Neben Media-Saturn investieren deshalb auch einige Supermarktketten in die Technologie, Rewe in Deutschland möchte sogar nach und nach alle seine Filialen umrüsten. Bei Neueröffnungen sind die digitalen Preisschilder bereits jetzt Standard. Dagegen dürfte es noch eine Weile dauern, bis sämtliche alten Standorte nachziehen. Edeka baut derzeit lediglich einzelne Filialen dafür um, das Tempo scheint hier deutlich gemächlicher als beim Konkurrenten. Discounter Lidl experimentierte bereits mit Electronic Shelf Label-Lösungen, will sie aber vorerst nicht in der Praxis einsetzen. Aldi Süd scheint dies ähnlich zu sehen, da selbst in seiner im Mai vor den Toren von München eröffneten „Filiale der Zukunft“ weiter klassische Papieretiketten über den Preis informieren.

Was sollen Preis- Displays können?

Neben der reinen Preisangabe und dem Produktnamen lassen sich auf den Displays der digitalen Schilder auch zahlreiche Zusatzinformationen einblenden, zum Beispiel in Form von Abbildungen, erklärenden Texten oder QR-Codes, die nach dem Abscannen via Smartphone zu einer ausführlicheren Produktseite führen. Bei entsprechender Grösse und Einfärbung eignen sie sich zudem, um äusserst prägnant auf Sonderangebote, besonders exklusive Produkte oder Spezialitäten hinzuweisen. Um digitale Preisschilder einzusetzen, muss natürlich die technische Grundlage stimmen. So ist eine flächendeckende Funkversorgung in der gesamten Filiale unbedingt notwendig, damit die Displays jederzeit mit neuen Daten versorgt werden können. Das klassische WLAN eignet sich dafür weniger, vor allem da die Technologie vergleichsweise zu viel Strom verbraucht. Deshalb setzt man auf eine energieeffiziente Funktechnologie, mit der die Batterien der elektronischen Displays fünf bis sieben Jahre ohne Austausch durchhalten, wenn die Daten maximal vier Mal pro Tag verändert werden. Die Bildschirme sind dabei trotz der geringen Leistungsaufnahme auch bei Tageslicht gut abzulesen und voll grafikfähig.

 
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